VIEL KELVIN – GUTES LICHT?

Mehrfach berichteten unsere Leser, dass sie beim Kauf von Scheinwerferlampen auf einen möglichst hohen Kelvin-Wert geachtet haben. Von uns wollen sie nun wissen, ob das sinnvoll war.

Also, Kelvin ist zunächst einmal die Einheit der Temperatur. Hier in München herrschen während diese Zeilen in den Computer wandern, gerade 273,15 Grad Kelvin. Das ist gar nicht so warm, sondern entspricht null Grad Celsius. Aber so etwas meintet ihr nicht. In Kelvin wird nämlich auch die Farbtemperatur angegeben. Die physikalischen Zusammenhänge mit zum Beispiel der Lufttemperatur sind kompliziert; das lassen wir besser mal.

Beim Licht sagt die Farbtemperatur, ob es sich eher um warmes oder kaltes Licht handelt. Doch im Gegensatz zum Wetter bezeichnen niedrigere Zahlen etwas Wärmeres. Eine gemütliche Weihnachtskerze strahlt mit rund 1500 Kelvin. Tageslicht wird in der Technik mit 5500 Kelvin angenommen. Mit unserem Scheinwerferlicht liegen wir irgendwo dazwischen.


Die Kelvin-Angabe sagt, wie warm oder kalt einer Lampe leuchtet. Bild: Osram

Halogenlampen strahlen sichtbar im Bereich von 2700 bis 3200 Kelvin, also schon etwas oberhalb klassischer Haushaltslampen. Xenonscheinwerfer leuchten mit 3900 bis 4200 Kelvin. In beiden Fällen ergeben sich die Farbtemperaturen praktisch automatisch aus der verwendeten Technik, also Glühwendel bei Halogen und Lichtbogen bei Xenon. Anders sieht es bei Leuchtdioden aus. Deren Farbtemperatur lässt sich praktisch beliebig wählen.

Oder auch nicht beliebig. Denn Scheinwerferlicht darf nach den Vorschriften nur weiß sein. (Außer bei Nebelscheinwerfern, aber auch dort spielt Gelb heutzutage keine Rolle mehr.) Da Weiß ein dehnbarer Begriff ist, gibt es das ECE-Weiß, benannt nach der Economic Commisson for Europe (ECE), die Zulassungsvorschriften erarbeitet. Danach endet Weiß bei etwa 6000 Kelvin. Ein solches Licht ist schon sehr bläulich.

Kelvin hat also erst einmal nichts mit Leistung zu tun. Eine Lichtquelle nach „je mehr Kelvin, desto besser“ zu wählen, ist Quatsch. Allerdings kommt das menschliche Auge in der Nacht mit Farbtemperaturen gut zurecht, die leicht oberhalb des Glühlampenniveaus liegen. Je nach Alter sind so zwischen 3500 und 4000 Kelvin ideal. Bei höheren Farbtemperaturen sehen wir in der Nacht zwar immer noch gut, doch kommen dann schon Farbverfälschungen beim Sehen ins Spiel. Verkehrsschilder bekommen zunehmend braune statt rote Ränder und Straßenlaternen leuchten orange. Die Scheinwerfer Entgegenkommender tendieren in die gleiche Richtung.

Aus diesem Grund begrenzen die Lichtentwickler die Farbtemperatur auch beim LED-Licht, wo im Prinzip praktisch sehr viel höhere Werte möglich wären. Bei Xenon und besonders Halogen gibt es weitere gute Gründe, auf sehr hohe Kelvin-Werte zu verzichten. Um sie zu erhalten, müssten nämlich Anteile wärmeren Lichts technisch herausgenommen werden. Und das kostet insgesamt wertvolles Licht. Bläuliche Scheinwerferlampen wie die Cool Blue-Serie von Osram sind ein guter Mittelweg zwischen angesagtem bläulichen Licht und den auf beste Sicht ausgelegten Lichtquellen wie den Night Breaker Lampen.

Noch blauere zu kaufen ist schlicht blauäugig im Bezug auf Lichtperformance.

Quelle: www.autolichtblog.de